Die "Vor"-Geschichte der Bruderschaft

Ging man bisher davon aus, daß der Bruderschaftsgedanke in der Schiefbahner Honschaft Niederheide erst mit der Gründung der St. _Johannes Bruderschaft im Jahre 1924 durch  Johannes Maassen und seine Freunde erstmals verwirklicht worden ist, so haben neuere Untersuchungen insbesondere des Schützensilbers der Schiefbahner St . Sebastianus Bruderschaft zu Ergebnissen geführt, die beweisen, daß gerade Einwohner der Niederheide schon seit 1700 in dieser Bruderschaft führende Positionen bekleideten. Das Schiefbahner Schützensilber der St. -Sebastianus-Bruderschaft, deren Entstehung man in das Jahr 1449 datiert, deren älteste Schützenplatte aber erst aus dem Jahre 1701 stammt, weist in allen Fällen neben Jahresdatum und Zeichnungen auch die Namen der jeweiligen Schützenkönige auf.

Ein Vergleich dieser Namen mit alten Bauerngeschlechtern Schiefbahns und seiner Honschaften liefert den Beweis, daß eine ganze Reihe "Schiefbahner Schützenkönige" der St. -Sebastianus-Bruderschaft um diese Zeit aus der Niederheide kamen! In den früheren Jahrhunderten ist in der Tat der Zusammenhalt zwischen der relativ kleinen Ortsmitte und "VestunK" und seinen Honschaften, die sich vom Ingmannshof ( Holter) im Unterbruch bis zum Bökel erstreckten, viel enger als in den letzten hundert Jahren gewesen. Die Honschaften, und hier vor allem das Unterbruch und die Niederheide, stellten nicht nur meist die Schöffen und Ortsvorsteher, sondern auch die meisten Schützenkönige! Das ist vor allem der Tatsache zuzuschreiben, daß mit Ausnahme des Schiefbahner- und Zehnthofes die meisten der großen Höfe eben im Unterbruch und in der Niederheide lagen und die Besitzer der größten Höfe sich natürlich das Recht vorbehielten, in dem entstehenden Dorf die Führungspositionen zu besetzen! Vergleicht man nun die Namen auf dem Schützensilber der St.–Sebastianus Bruderschaft und die darauf eingravierten Namen mit denen der damals größten Höfe, dann stellt man fest, daß neben den Unterbrucher " Großhöfen"  wie etwa Sürder, Hauser und Hellings und im Diepenbroich Diepes es vor allem die Besitzer der Niederheide Höfe sind, die damals das Bruderschaftsleben mitgestalteten und oftmals als Schützenkönig mitorganisierten. Allein von 1717 - 1769 kommen so ausweislich der keineswegs vollständigen Silberplatten zwölfmal ( !) Könige aus der Honschaft Niederheide, wie die nachfolgende Übersicht beweist.

Silberplatten , deren Inschriften eindeutig Niederheider Bauernhöfen zuzuordnen sind :                                                                           

1717 Inschrift "hendricus dicker genannt horster elesabel horster eleutt 1717"

Im oberen Teil reicht eine Frau dem pflügenden Bauern einen Becher, im unteren Teil ist ein bärtiger Mann im Festanzug mit Pilgerstab eingraviert. Der Horster- oder Horsthof lag in der Niederheide und gehörte im 14. - 15. Jh. zum Hofverband Uerdingen. Im Jahre 1575 finden wir einen Gerdt Horst als Schöffen in Schiefbahn. Der Hof lag vor dem alten Lingmannsgut am Ende der Albert-Oetker-Straße gegenüber dem Höterkesweg. Die Gemarkung heißt heute noch Horstfeld.

1725: Inschrift 't Hendricus Dieker, genannt Horster  1725't

Auch hier handelt es sich um eine mittlere wappenförmige Platte, die mit randverzierten Gravuren versehen ist. Hier ist offensichtlich Hendricus Dieker in den Horst- Hof eingeheiratet und trägt den Hofnamen, wie es bis in die Neuzeit üblich war.

1741: Inschrift "Hendricus Schwartzen 1741t'

Auf dieser mittleren wappenförmigen Platte sind links ein Pferd und davor der Reiter, dessen Arme auf den kreuztragenden Hirsch weisen, eingraviert .Der Schwartzen - oder Schwarttenhof liegt in der Niederheide an der alten Landstraße und befindet sich heute im Besitz der Familie Bäumges. Der Hof wird erstmals 1692 urkundlich erwähnt, 1713 ist ein Hubert Schwartten Schöffe in Schiefbahn.

1746: Inschrift "Henricus Wernerus Harsters - Adelheit Vowinkeler 1746"

Die mittlere wappenförmige Platte zeigt ein Kaiserpaar, umrankt von dem Satz “Keisär Henricus und sein E Gemal - Heinrich 919 – 936“.Möglicherweise handelt es sich bei dem König Harsters um den damaligen Besitzer des älteren Keysers-Hofes, der in der Niederheide lag, zumindest weisen der Name Henricus  Keisär ( Kaiser) und die Ausführung der Platte auf diesen Hof hin. Der Hinweis auf Heinrich 1. den Vogler, den ersten deutschen König aus sächsischem Hause, der von 919 - 936 herrschte, gibt dazu einen weiteren Fingerzeig.

1752:  Inschrift "Hendricus Nehen - Catharina Klapdor 1752"

 Auf der großen sternförmigen Platte in schwerer Silberausführung ist links eine festlich gekleidete Dame mit einem Kelch in der Hand und rechts ein kniender Edelmann vor dem kreuztragenden Hirsch dargestellt. Der Nehenhof und der Klapdorhof gehören zu den ältesten und bedeutendsten Höfen der Niederheide. Der Nehenhof stellte zweimal den König bei den Sebastianern, der Klapdorhof wird bereits 1380 urkundlich erwähnt, er erhielt seinen Namen von dem in der Nähe gelegenen Schlagbaum an der alten Heerstraße.

1753: Inschrift “ Mathias Driesen 1753 “

Eine Frau im Festgewand, auf einer züngelnden Schlange stehend, umgeben von einer kranzförmigen Randgravur zeigt diese kleine wappenförmige Platte.

Auch der Name dieses Königs weist auf die Niederheide hin. Die Bauernfamilien Driesen besaßen den Drießenhof und den Remershof.

1755: Inschrift t'Ferdenandt Schmiz 1755"

Auf dieser mittleren wappenförmigen Platte befindet sich in der Mitte das Bild des Schutzpatrons mit der Aufschrift "S. Sebastianus", auf dem Rand sind feine Gravuren zu sehen.Ein Schmitzhof oder auch Schmetzhof wird in der Niederheide bereits um 1400 erwähnt, als Jeuken Schmitz mit 20 Morgen die Kurmud an Liedberg zu leisten hatte.

1756: Inschrift "Ferdenandt Schmiz 1756"

Auf der inhaltlich gleichen wappenförmige Platte wurde lediglich die Gravur leicht geändert.

1765:  Inschrift "Petrus Nehen 1765"

Über dem Namen des Königs ist auf dieser mittelgroßen wappenförmigen Platte der hl. Petrus mit Schlüssel und Bibel in der Hand eingraviert, der Rand enthält feine Prägungen. Der Nehenhof gehört zu den ältesten und bedeutendsten Höfen der Niederheide, er wird bereits 1409 im Kurmudsverzeichnis Liedberg aufgeführt. Im Jahre 1659 war Derich  Nehen Bürgermeister der "Vestung Schiefbahn", 1696 ein Peter Nehen Kirchmeister und 1725 waren Peter Nehen und 1729 Vit Nehen Schöffen.

1766: Inschrift "Paulus Brucker  1766"

Es handelt sich um eine mittelgroße wappenförmige Silberplatte, über dem Namen des damaligen Königs ist das Muttergottesbild von Kevelaer eingraviert .Die Inschrift weist auf den Brüggerhof (Albert-Oetker-Straße 1) hin, der bereits um 1400 erwähnt wird, als Heyn Brughen an Liedberg kurmudpflichtig war. Einer der späteren Besitzer war Paulus Brucker, der den Schlagbaum " Brugger Spicken" zum Dorf hin öffnen und schließen mußte. Interessant ist hier der Hinweis auf das Kevelaerer Muttergottesbild. Wenn auch nach dem Kirchenbuch der Pfarre St. Hubertus die erste Pilgerreise von Schiefbahnern nach Kevelaer erst im Jahre 1788 erfolgt sein soll, so haben dieser Königsplatte zufolge auch schon vor diesem Jahr intensive Beziehungen zu diesem Wallfahrtsort bestanden.

1767. Inschrift " Johannes Schmiz - G. Brocker 1767"

Auch diese mittlere wappenförmige Platte mit feinen Randprägungen zeigt über dem Namen des Königs das Kevelaerer Muttergottesbild.

1769:  Inschrift "Henricus Schmiz 1769"

Auf der mittleren wappenförmigen Platte ist ebenfalls über dem Namen des Königs das Kevelaerer Muttergottesbild zu sehen. Ein Henricus Schmiz ist in diesem Jahr Brudermeister, wahrscheinlich handelt es sich um den Schützenkönig des Jahres 1769 oder dessen Sohn.

Doch die Niederheider Bauern waren auch tonangebend in der zweiten Schützenbruderschaft Schiefbahns , in der St . Hubertus-JunggesellenSchützen-Bruderschaft von 1737. Henricus Schmitz, dessen Namen uns bereits auf einer Silberplatte der Sebastianer im Jahre 1769 begegnet, war 1758 und 1762 bereits König in der Junggesellen-Bruderschaft gewesen, wie eine Platte, ein schönes Ovalschild aus dem Jahre 1758 beweist. Eingraviert ist auf dieser Silberplatte ein mittelalterlicher Kaiser mit Krone, Reichsapfel und Schwert und "Heinrich 1. 919 - 936't, wohl in Anlehnung an den Vornamen des Junggesellenkönigs.

Der zweite König, der aus der Niederheide kam, war Johannes Driessen vom Driessen- oder Remershof. In ein ovales Silberschild ist sein Name eingraviert neben einem Heiligen, der ein Kruzifix in den Händen hält, daneben stehen die Buchstaben VN (wahrscheinlich für Nepomuk, den Brückenheiligen, möglicherweise floß an dem alten Hof ein kleiner Bach entlang .

Die Gründung der Bruderschaft und ihre Schützenfeste

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war in der Niederheide, wie man so sagt, wenig los. So schlossen sich im Jahre 1922 etliche Einwohner zusammen, um einen V erein zu gründen, der sich der Geselligkeit widmen sollte. Am 26. März 1922 holte diese Gruppierung, die sich "Gesellschaft Onger Oss', nannte, beim damaligen Bürgermeister die dazu erforderliche Genehmigung ein.

Es war am Silvesterabend des Jahres 1923, als eine weitere Gruppe junger Männer beschloß, im kommenden Jahr 1924 ein großes gemeinsames Heimatfest für die ganze Honschaft  Niederheide zu veranstalten. Dieses Fest sollte als Schützenfest in Verbindung mit dem Erntedankfest gefeiert werden.

Nun muß man wissen, daß in jenen Jahren nach dem 1. Weltkrieg die belgische Besatzungsmacht auch am Niederrhein "das Sagen" hatte. Diese hatte verboten, Schützengesellschaften zu gründen, die Angst vor den Deutschen stand im Mittelpunkt dieser Überlegungen. Aber die jungen Leute um Heinrich Keller wußten sich Rat : Sie gründeten keine Schützen- gesellschaft, sondern eine Bruderschaft und zwar erst nach dem Fest, zu dem man zwei Tanzflächen, Musik und die dazu gehörenden Kirmesbuden besorgt hatte. Dieses Fest fand großen Anklang und seinen Höhepunkt, als Johannes Maassen den Vogel von der Stange holte und damit der erste Schützenkönig der Niederheide wurde. Wenig später gründete man in der Gaststätte Schüpper die St. Johannes Bruderschaft 1924 Niederheide, deren erster Präsident Johannes Maassen wurde und der dieses Amt von 1924 bis 1954, also 30 Jahre lang innehaben sollte. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Vorname des ersten Königs und zugleich ersten Präsidenten auch der Namensgeber für die neue Bruderschaft war. Bereits Ende 1924 hatte sich die neue Bruderschaft eine Satzung gegeben, die am 22. Dezember 1924 vom Schiefbahner Bürgermeister Marx als Polizeiverwaltung und am 25. Januar 1925 vom Neersener  Pfarrer Firmenich genehmigt wurde. Man fühlte sich damals also kirchlich der Pfarre Neersen verpflichtet .

Zweck der Bruderschaft, die sich unter den besonderen Schutz des hl. Johannes des Täufers stellte, waren "die Hege und Pflege des christlich katholischen Geistes unter den Mitgliedern sowie die besondere Verehrung des hl. Märtyrers Johannes." Ein weiterer Zweck der Bruderschaft war " die B elebung des brüderlichen Geistes und der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern." Dem ersten Vorstand gehörten Johannes Maassen als Präsident, Wilhelm Mathes als sein Stellvertreter, Heinrich Keller als Schriftführer und Franz Kerkes als Kassierer sowie ein weiterer Beisitzer an. Der Jahresbeitrag wurde vorläufig auf 1,50 Mark festgesetzt.

Im § 3 dieser Satzung hieß es, daß "jeder Gewählte verpflichtet ist, die Wahl anzunehmen, wenn er nicht erhebliche Gründe dagegen anzugeben hatte." - So einfach müßte man es heute noch haben! Mitglied konnte jeder unbescholtene Bürger der Honschaft Niederheide werden, der das 18. Lebensjahr erreicht hatte. Bei Versäumnis der alljährlichen Hauptversammlung waren 0,50 Mark fällig. Neben den weiteren üblichen Regularien wurde im § 13 festgesetzt : " Sollte aus irgendeinem Grunde der Schützenkönig von einem feierlichen Aufzuge an den Festtagen Abstand nehmen wollen, so hat an dessen Stelle, um den ganzen Aufzug nicht infrage zu stellen, der Präsident die Königswürde für das betreffende Jahr zu übernehmen." Weiter hieß es:" Wer durch schlechte Handlung seine Ehrenrechte verliert, kann nicht Mitglied der Bruderschaft bleiben.“ Jedes Mitglied war verpflichtet, nach Möglichkeit jedem verstorbenen Mitglied die letzte Ehre zu erweisen, für die verstorbenen Mitglieder sollte jährlich in der Pfarrkirche zu Neersen ein Hochamt gehalten werden. Ferner wurde festgelegt, daß damals das Schützenfest am letzten Sonntag im Juli stattfinden sollte.

So waren also rechtzeitig bereits vor dem ersten Schützenfest im Jahre 1925 die Statuten festgelegt, anhand derer das Schützenfestgeschehen in den kommenden Jahren abgewickelt werden konnte.

Schießsport-Abteilung

Wie in allen Bruderschaften stand in den Jahren 1978179 die Diskussion um den Nachwuchs im  Vordergrund. Im Jahre 1979, als der Bau des Bruderhauses dem Ende zuging und das Schützenfest vor der Tür stand, entwickelten Ludwig Schreiber, Friedhelm Kupp, Achim Nahler, Willi Ranff und Karlheinz Weeber gemeinsam mit dem Präsidenten Hans Brocker ein Konzept, wie man die Jugend für die Bruderschaft begeistern wollte.

Man hatte einen Vogelschießstand als Außenanlage geplant und einen weiteren Schießstand für das Pokalschießen mit Luftgewehr in den Innenräuräumen.

Auf der Generalversammlung im Januar 1980 trug der Vorstand den anwesenden Mitgliedern die Idee vor, eine Schießsportabteilung für Jugendliche zu gründen. Mit der erwarteten freudigen Zustimmung aber war es nichts! "Nur wenn es nichts kostet" .", das war der damalige Tenor aus der Versammlung. Karlheinz Weeber trug vor, daß man den Vogelschießstand in der Außenanlage vermieten könne, daß die Bruderschaftsmitglieder beim Vogelschuß der Züge einen Obolus zahlen sollten und daß dieses Geld die Schießsportabteilung tragen könne und demzufolge auch keine Kosten entständen , erst daraufhin stimmte die Versammlung zu.

Die Schießsportabteilung wurde als Unterabteilung der Bruderschaft gegründet und dem Fachverband angeschlossen. Die Erwartungen wurden zunächst weit übertroffen! Innerhalb kürzester Frist waren 35 Jungen und ein Mädchen am Schießbetrieb beteiligt, zweimal in der Woche war Training und zweiundfünfzigmal im Jahr fanden Schießen für eigene und fremde Züge statt. Es wurden Gewehre angeschafft, der Schießstand modernisiert, der Schießbetrieb im übrigen durch die Einnahmen vom Vogelstand finanziert .

Die Jungschützen waren im Laufe der folgenden Jahre erfolgreich bis hinauf Landesebene, mittelfristig gesehen war der Plan der "Fünf" aufgegangen. Die Bruderschaft hatte Zuwachs bekommen, was spätestens in den 90er Jahren aus der Zahl der jungen Züge, die sich am Schützenfest beteiligten, abzulesen war.

Später erlosch allerdings das Interesse am Schießsport in zunehmendem Maße, der Nachwuchs blieb aus. Nach etwa zehn Jahren endete der Sportbetrieb, doch der gesellschaftliche Teil auf der Schießsportanlage und das Schießen auf den Vogel durch die verschiedenen Züge waren nach wie vor fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Bruderschaft. Das Pokalschießen, das Schießen um die Schnüre der Bruderschaft erfreute sich auch weiterhin großer Beliebtheit.

Eine Idee wurde geboren und zur Ausführung gebracht, eine Idee, die mit zum sozialen Engagement der St. Johannes Bruderschaft gehört.

Bruderhaus "Niederheider Hof"

Am 11. August 1979 wurde das zwischenzeitlich auch im Fernsehen vorgestellte Bruderhaus, der "Niederheider Hof", der Öffentlichkeit übergeben. In monatelanger Eigenleistung war hier von Mitgliedern der Bruderschaften und des Angelsportvereins Schiefbahns ein Kommunikationszentrum entstanden, das sich sehen lassen kann. Initiator und Motor dieses Unternehmens war der frühere Präsident Hans Brocker. Den Kreis der sich aktiv beteiligenden Schützen und Angler, die bei Regen oder Sturm, bei Sonnenschein und Hitze oder bei eisiger Kälte die Bauarbeiten leisteten, 269 Personen ( 215 Schützen und 54 Frauen), hat Heinz Mispelbaum im Festbuch 1994 namentlich aufgeführt. Stellvertretend für die vielen anderen sollten erwähnt werden Dieter Zitzmann, der kostenlos alle Planungen, Statiken und Zeichnungen erstellte, Peter Dühr, der verantwortlicher Bauleiter war, Ludwig Schreiber , Willi Ranff , Adolf Hellenbroich und Willi Streich, die kaum eine Stunde auf der Baustelle fehlten , Peter Peiffer, der außer seiner eigenen Arbeitskraft oft den Trecker oder Abräumer zur V erfügung stellte, Manfred Juntermanns und Karl-Heinz Arzten, die den gesamten Bausand und Kies kostenlos lieferten, sowie die Frauen der Schützen und Angler, die es ermöglichten, daß den Samstagshelfern ein kräftiges Mittagessen vorgesetzt werden konnte. Der erste Spatenstich war am 23.6.1978 erfolgt, nachdem am 14. April des selben Jahres bereits Peter Peiffer die Muttererde vom Baugrundstück abgehoben hatte und die Baubude aufgestellt worden war. Als Dank für die Unterstützung erhielt der britische Major Christoffer Davies einen vergoldeten Spaten. An die 600 Besucher kamen zur groß angelegten Grundsteinlegung und "verputzten“ drei Spanferkel, über 1 000 Grillwürste und 10 Hektoliter Freibier , .Nur 100 Tage nach der Grundsteinlegung waren die Arbeiten so weit fortgeschritten, daß der Keller mit zwei Kegelbahnen und der Schießsportanlage sowie das ganze Erdgeschoß bereits fertiggestellt waren. Am 18. Dezember wurde bei bitterer Kälte der Dachstuhl für den Saal errichtet.

Richtfest wurde zwei Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember 1978, mit über 100 Schützen und Anglern gefeiert. Beim zweiten Richtfest am 11. April 1979 wünschte Zimmermeister Klaus Spindler in seinem Richtspruch, daß das Haus allen ,'zu jeder Zeit Schirm und Schutz gewähre" .Beim Patronatsfest zog die Prozession nach dem gemeinsamen Gottesdienst im St. Bernhard-Kloster zum neuerbauten Bruderhaus, dessen großer Saal bereits vor der eigentlichen Fertigstellung des Gebäudekomplexes in Betrieb genommen worden war. Präses Dr. Brück weihte nicht nur das neue Bruderhaus ein, sondern stiftete auch 25 Stühle für den Saal, durch weitere Spenden kamen nochmals 75 Stühle zusammen, so daß nun die Einrichtung dieses Raumes fast komplett war. Die Beteiligten waren sich sicher, daß bis zum Schützenfest im August das Bruderhaus bezogen werden konnte. In der Tat war Hans Brocker nicht zu optimistisch gewesen : Am 11. August 1979 wurde das Haus der Öffentlichkeit übergeben.  Erster Pächter war Erhard Kluge, darauf folgten 1992  die Pächter Thomas Maaßen und W. Nimczyk. Seit 2001 wird das Bruderhaus von Ute Göllner geführt.

Heinz Mispelbaum hat im Festbuch 1994 eine ausführliche und bebilderte Übersicht über die Entstehung des  Bruderhauses gegeben , der die folgenden Angaben entnommen sind.

Die Fatima- Kapelle in der Niederheide

Mit dem Bruderhaus wurde in der Niederheide auch eine kleine Kapelle errichtet, die Fatima-Kapelle. Bei Fatima handelt es sich um einen Weltwallfahrtsort (vergleichbar mit Lourdes in Frankreich) in Estremadura in Portugal. Hier soll im Jahre 1917 vor drei Hirtenkindern sechsmal die Mutter Gottes erschienen sein.

Beim Bau des Schützenhauses war gelobt worden, "wenn beim Bau des Bruderhauses kein Unglück passiert, wird in unmittelbarer Nähe des Hauses ein Kapellchen errichtet", dieses Gelöbnis wurde am Festtag des 25. Ortsjubiläums des Präses Dr. Bernhard Brück am 12. Dezember 1982 eingelöst .

Kaum war das Schützenfest 1982 vorüber, wurde in einer Vorstandssitzung der St. Johannes-Bruderschaft ein Bauausschuß , so daß kurz darauf der Entwurf und die Bauzeichnung am Türeingang des "Niederheider Hofes" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.

Am frühen Morgen des 20. Oktober begann man mit den Planierungsarbeiten. Dann ging alles sehr schnell, wie man das bei Bauobjekten in Niederheide aus Erfahrung gewohnt ist. Die aufgehenden Bauteile wurden in Betonstruktur errichtet und die Dachkonstruktion in Zeltbauweise aus gehobeltem Tannenholz erstellt. Zehn Tage später wurde das Richtfest am Bauobjekt und anschließend im Bruderhaus zünftig gefeiert. Kurz danach konnte das Zeltdach in Naturschiefer eingedeckt und die Außenanlage mit Stufen und Zwischenpodest versehen werden. Mit der Montage des künstlerisch wertvollen schmiedeeisernen Tores konnten die Arbeiten an der Kapelle rechtzeitig zur Einweihung beendet werden.

Am frühen Samstagabend zogen viele Niederheider und Schiefbahner Bürger zu der neuen Kapelle, dessen Einsegnung Pfarrer Dr. Brück vornahm." Wir sind der St. -Johannes-Bruderschaft recht dankbar und auch den beteiligten Handwerkern, daß nun das in Kevelaer gegebene V ersprechen erfüllt und das Werk vollendet ist", so leitete er seine Grußansprache ein." Ich möchte wünschen“, so fuhr er fort, "daß das Fatima-Kapellchen in Zukunft auch von den Gläubigen angegangen wird, denn in Mariens Weg ist ja unser Weg vorgegeben und ihr Leben ist die stete Predigt für das Programm unseres eigenen Lebensweges."

Seit der Einweihung der Kapelle mit der würdigen Wohnstatt der handgeschnitzten Fatima-Madonna möchten die Tag und Nacht brennenden Kerzen den vorübergehenden Menschen sagen : "Setzest hier Du Deinen Fuß, schenk Maria einen Gruß!

Nach einem von Heinz Mispelbaum erstellten Bericht im Festbuch der St.  Johannes -Bruderschaft